Lebenshilfe Braunschweig
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29.08.2017

Neue Stiftung sichert Outsider-Kunst in Geyso20

Seit 25 Jahren gibt es das Kunstatelier der Lebenshilfe Braunschweig. Mittlerweile heißt es Geyso20 und besitzt neben Atelier auch eine namhafte Galerie für Outsider-Kunst. Nun wurde das dritte Element, die Sammlung, durch eine Stiftung rechtlich gesichert.

Treuhänder ist „Die Braunschweigische Stiftung“, eine traditionsreiche Institution im Braunschweiger Land, Stifter der Verein Lebenshilfe Braunschweig.

Nina Roskamp, verantwortlich für Geyso 20, fasst die Ziele für Sammlung und Stiftung zusammen:

  • Stärkung des Selbstverständnisses der Künstler und Künstlerinnen
  • Bewahren von Outsider-Kunst
  • Unterstützung der Erforschung von Outsider-Kunst
  • Herstellung einer Öffentlichkeit für Outsider-Kunst
  • Schutz von Outsider-Kunst vor kurzfristigen monetären Interessen
  • Nachhaltige Stärkung der Arbeit von Geyso20
  • Verdeutlichung der kulturpolitischen Bedeutung von Offenen Ateliers

Bei der Professionalisierung des Umgangs mit Outsider-Kunst besitze das Projekt deutschlandweit Modellcharakter, meint die Kanzlei dtb Berlin, die die rechtlichen Bedingungen und Formulierungen erarbeitet hat. Rechtsanwalt und Kunsthistoriker Bertold Schmidt-Thomé, Partner der Kanzlei: „Geyso20 ist hier beispielhaft und wegweisend unterwegs. Viele Ateliers beginnen erst mal damit, Kunst zu produzieren, ohne sich über Eigentumsverhältnisse und einen professionellen Umgang mit der Dokumentation und Sammlung Gedanken zu machen.“ Aber es stärke die Glaubwürdigkeit und die Möglichkeit, sich auf einem Kunstmarkt unabhängig zu profilieren, wenn dies so professionell und zukunftsweisend wie nun in Braunschweig gesichert werde. 

Eine rechtlich fundierte Sammlung war auch für Dr. Hans-Joachim Beinroth, den Vorstandsvorsitzenden des Vereins Lebenshilfe Braunschweig, das maßgebliche Kriterium, mit seiner Vorstandskollegin Annemarie Karras die Satzungs- und Stiftungsdokumente zu unterzeichnen: „Die Künstlerinnen und Künstler müssen wissen, dass ihre Werke, auch unabhängig von der Lebenshilfe Braunschweig, Bestand haben und einen Part in der Outsider-Kunst übernehmen können.“ Der Verein wolle die im Kunstatelier Geyso20 entstandenen Werke der dort über die Jahre tätigen Künstlerinnen und Künstler dauerhaft und verlässlich konzeptionell und rechtlich absichern, heißt es deshalb auch in der Satzung.

Äußere Anerkennung gab es bereits durch die Unterstützung beim Sammlungsaufbau durch die Braunschweigische Stiftung. Dass sie jetzt auch Treuhänder wird, zeigt deren Ansatz: „Wir sind nicht die Akteure, wir können sie aber unterstützen“, betonte Vorstandsvorsitzender Gerhard Glogowski während der Vertragsunterzeichnung. Die Sammlung Geyso20 zeige die Vielfalt und den Reichtum künstlerischer Positionen im Bereich der Outsider-Kunst. „Wir haben Geyso20 deshalb mit viel, durchaus auch emotionalem, Engagement begleitet. Nun gilt es, die besonderen Werke der Künstlerinnen und Künstler langfristig zu wahren, um sie auch in der Zukunft - das Wort Ewigkeit ist ja nicht so einfach zu benutzen - sprechen zu lassen.“

Text und Fotos: Elke Franzen