Lebenshilfe Braunschweig
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25.02.2019

Gedenken an Heinz Scheer - Gründer der Lebenshilfe Braunschweig

Im Rahmen des Projekts „Bildung im Vorübergehen“ der Bürgerstiftung Braunschweig werden gemeinsam mit der Stadt Braunschweig Straßennamenschilder um Zusatzschilder mit erläuternden Informationen zum Namen ergänzt. Die Lebenshilfe Braunschweig hat sich an diesem Projekt mit dem Straßenschild „Heinz-Scheer-Straße“ beteiligt.

Zu dem offiziellen  Einweihungstermin kamen Karin Heidemann-Thien, ehemaliges Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Braunschweig, Dr. Ulrich Ludewig, Historiker und wissenschaftlicher Kopf des Projektes, und Bezirksbürgermeister Jürgen Meeske.

Seitens der Lebenshilfe Braunschweig nahmen Peter Koch, Vorstandsmitglied des Vereins Lebenshilfe Braunschweig, Karl Eike Kirschner, Ehrenvorsitzender und ehemaliger Vorstandsvorsitzender, sowie Oliver Reißmann, Leitung der Werkstatt Heinz-Scheer-Straße, teil.

„Heinz Scheer war der Gründer der Lebenshilfe Braunschweig. 1933 wurde er Mitglied des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes, der dem linken Flügel der Arbeiterbewegung anzusiedeln ist und der kurz darauf verboten wurde. Im Jahr 1936 wurde  Heinz Scheer verhaftet und zu einer zweieinhalbjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. Nach einer erneuten Verhaftung Ende 1944 wurde Heinz Scheer ins Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert. Trotz schwerer Misshandlungen überlebte er. Seit 1945 lebte er in Braunschweig. Heinz Scheer hatte den Mut, gegen das NS-Regime zu kämpfen.  Dieser Kampf hat sein Leben nach 1945 geprägt“, berichtet Dr. Ulrich Ludewig..

1942 wurde Heinz Scheers Sohn geboren. Im Jahr 1947 kam seine Tochter mit einer Behinderung  zur Welt. Heinz Scheer beobachtete in den ersten Nachkriegsjahren noch bei vielen Menschen in Deutschland  die in der NS-Zeit propagierte ablehnende Haltung gegenüber behinderten Menschen. Als Vater einer behinderten Tochter war Heinz Scheer sensibilisiert für die schwierige Situation von Eltern und Kindern. Er nahm  Kontakt zu betroffenen Familien und zu den Behörden in Braunschweig auf und entwickelte Konzepte für eine Förderung von behinderten Kindern. 

Am 5. Februar 1960 gründete er zusammen mit Eltern und Förderern den Verein Lebenshilfe Braunschweig.

„Ich habe Heinz Scheer als einen guten Partner kennengelernt, dessen Mut und Kraft ich bewundere. Zu der Gründungszeit der Lebenshilfe Braunschweig gab es weder Kindergärten für Kinder mit Beeinträchtigung noch Wohnstätten und ambulante Hilfen. Alles musste erkämpft werden, Strukturen geschaffen und Geldgeber gefunden werden. Das ist eine beachtliche Leistung von den Gründern der Lebenshilfe Braunschweig“, betont Karl Eike Kirschner.

Fotos: Lebenshilfe Braunschweig und Astrid van Delden (Bürgerstiftung Braunschweig)