Lebenshilfe Braunschweig
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17.04.2019

Und sonst noch? I Unterstützte Kommunikation

Wir bieten viel an, damit Menschen mit Beeinträchtigung in Braunschweig selbstverständlich dazu gehören. Und widmen uns auch Themen, die nicht jeder kennt. Warum machen wir dies als Lebenshilfe Braunschweig mit Personal-Ressource und finanziellem Budget?

  • Vielfalt ist für uns eine Bereicherung, die wir wertschätzen.
  • Respekt und Würde gehören zu unserem Menschenbild.
  • Wir gestalten miteinander persönliche Wege und Freiheiten.

Unser Thema heute: Unterstützte Kommunikation.

Kommunikation ist mehr als Lautsprache

„Jeder Mensch hat von Natur aus das Bedürfnis, mit anderen Menschen zu kommunizieren und gemeinsam zu handeln“, weiß Susanne Grunwald, die in der Lebenshilfe Braunschweig das große Feld der Unterstützten Kommunikation koordiniert.

Ist doch logisch, denken Sie?! Doch was tun zum Beispiel nach einem Schlaganfall, wenn vielleicht nur noch die Augen beweglich sind? Wie drücken wir aus: Ich habe Durst, unbeschreiblichen Appetit auf Gummibärchen oder mir schmerzt der Arm?

„Meistens wird davon ausgegangen, dass der Kommunikationspartner dieselben Voraussetzungen, dieselbe Sachkenntnis oder denselben Erfahrungshorizont ha“, erklärt die Expertin.

Die Grundlagen gelingender Kommunikation sind also ein gemeinsames Zeichensystem und  gemeinsame Erfahrungen. „Wenn ich einen chinesischen Text lesen will, dann muss ich das Vokabular kennen“, erklärt Susanne Grunwald. Ebenso verhalte es sich bei der Gebärdensprache oder der Lautsprache. „Auch Bilder sind ein Zeichensystem, das sich nicht selbst erklärt, es muss erlernt werden.“

Und jetzt wird es spannend, vor allem für Menschen mit Beeinträchtigung: Wer das Wort „Montag“ nicht lesen oder sich Tagesabläufe nicht merken kann, braucht andere Formen eines Kalenders. Wer keine hörbare Sprache hat, kann sich vielleicht mit einem elektronischen Hilfsmittel artikulieren. Wer taub ist oder keine Vorstellung von Minuten und einer Stunde hat, sieht im roten Timer-Feld verbleibende Zeit.

„Unser Ansporn ist es, für jeden einzelnen Menschen passende Ausdrucksformen und Orientierungshilfen zu finden“, betont Susanne Grunwald. „Wir üben sie und entwickeln sie gemeinsam auch stets weiter. Wie komme ich allein mit der Straßenbahn zu meinem Arbeitsplatz? Wie wasche ich weiße Wäsche bei 60 Grad? Wie mache ich deutlich, dass mir heute alle gestohlen bleiben können, weil ich schlechte Laune habe? „Es ist ein großartiges Gefühl, wenn wir durch Hilfsmittel Menschen  Ausdrucksmöglichkeiten und Wege zu Selbständigkeit und Selbstbestimmung öffnen können.“ Und dies wiederum führe zu mehr Lebensqualität und Teilhabe an der menschlichen Gemeinschaft.

  • Unterstützte Kommunikation (abgekürzt: UK) stellt also vor allem ergänzende, aber auch alternative Kommunikationsformen zur Verfügung, damit das Grundbedürfnis nach gemeinsamem Tun und Austausch erfüllt werden kann.
  • Elemente sind Gesten/Gebärden, elektronische Sprachausgabegeräte, Bilder oder Icons, je nach individuellen Möglichkeiten.

Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick geht soweit, dass letztlich Verhalten jeder Art eine Form der Kommunikation ist. In einer Situation, in der Menschen sich begegnen, habe jedes Verhalten den Charakter einer Mitteilung. Er folgert daraus, dass man nicht nicht kommunizieren kann. Dieses Verständnis von Kommunikation macht es einfacher, unangemessenes Verhalten wie Schreien oder aggressives Verhalten als Botschaft zu verstehen. Was will die Person mitteilen? Hat sie ausreichende Möglichkeiten, Schmerzen, Unzufriedenheit oder ein Bedürfnis auszudrücken?

„Es muss immer wieder beobachtet und interpretiert werden, was nicht-sprachliches Handeln bedeuten kann. Wir suchen deshalb stets nach neuen Wegen, die es den Menschen ermöglichen, sich ihrer Gemeinschaft so mitzuteilen, dass sie verstanden werden“, fasst Susanne Grunwald zusammen.

Denn das sei Bedingung, um Leben zu organisieren, Regeln aufzustellen und sich über sie abzustimmen. Andererseits ermöglichten sie dem Einzelnen, sich in die Gemeinschaft einzubringen, eigene Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen mitzuteilen. „Mit immer wieder neuen Erkenntnissen und Methoden identifizieren wir in allen Bereichen der Lebenshilfe Braunschweig Barrieren und vor allem: Wir überwinden sie, eine nach der anderen.“

Symbole: Metacom | Text und Fotos: Elke Franzen