Lebenshilfe Braunschweig
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21.07.2020

Arbeitsverträge im Traditionsunternehmen EWE

Auch in diesen turbulenten Zeiten arbeiten die Mitarbeiter von Versorgungsunternehmen, Tiefbaufirmen und Händlern unter schwierigen Bedingungen weiter. „Wir geben unser Bestes für Sie, damit Sie Ihre Bestellungen in der gewohnten Zeit und Qualität erhalten“, lautet die serviceorientierte Nachricht auf der Internetseite der Firma EWE. Das Braunschweiger Traditionsunternehmen hat schnell erkannt, wie es mit konsequenten Regeln und Strukturen seine Leistungen rund um das Thema Armaturen für Wasser, Gas und Abwasser konsequent weiterführen kann.

Neue Jobs mit Budget für Arbeit

Das Besondere in dieser besonderen Situation: Firmenchef Jan-Peter Ewe hat gleich zwei Menschen mit Beeinträchtigung den schon länger eingefädelten Arbeitsvertrag unterzeichnet und ihnen damit einen Job auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt gegeben. „Schon mein Vater und Opa haben immer auch eine soziale Verantwortung mit einem positiven Menschenbild gesehen und Bezug zur Lebenshilfe Braunschweig gehabt“, betont Jan-Peter Ewe.

Kennengelernt hat die 140 Mitarbeiter_innen starke Firma ihre zukünftigen Mitarbeiter über Praktika und verschiedene Arbeitstests. Umgekehrt erhielten Stefano Notariale (37) und Dennis Bonneik (31) Einblick in die für sie noch neue Firma. „Die beiden zeichnet eine hohe soziale Kompetenz und großer Ehrgeiz aus, sie bringen Leistung trotz ihrer Einschränkung“, meint EWE-Produktionsleiter Alexander Enns. „Wer zu uns kommt, muss wollen – dann bieten wir gute Chancen und zwar längerfristig.“ Das gehöre zur Unternehmenskultur: „Ein zufriedenes Team von festen Mitarbeiter_innen. Wir wollen keine Zeitarbeit und wünschen uns Kollegen, die sich hier mit allem Entwicklungspotential ihre Zukunft vorstellen können.“

Netzwerk an Kooperationsfirmen 

Vorbereitet und begleitet werden die beiden im Mai eingestellten Männer vom Fachdienst Betrieblich Integration der Lebenshilfe Braunschweig. Dessen Leiter Michael Schumann berichtet: „Dank unseres guten Netzwerkes und vielen Partnern vor Ort können unsere Mitarbeiter_innen oft verschiedene Erfahrungen in unterschiedlichen Berufsfeldern vorweisen. In diesem Fall reicht das von der FAIRKAUF-Möbelhalle über Ikea bis hin zu Fehrer, einem Spezialisten für Komponenten im Fahrzeuginnenraum.“

Vereinfacht hat die doppelte Vertragsunterzeichnung auch das Budget für Arbeit: Menschen mit Beeinträchtigung werden von Unternehmen mit einem normalen Arbeitsvertrag zu einem normalen Gehalt eingestellt. „Dafür erhalten sie dann einen Lohnkostenzuschuss“, erklärt Michael Schumann. „Zudem begleiten und unterstützen unsere Assistenzen vom Fachdienst Betriebliche Integration direkt vor Ort.“

Bei EWE geht deshalb Lebenshilfe-Mitarbeiter Jürgen Winogradzew ein und aus: „Am Anfang ist die Anbindung stärker, bis sich beide Seiten aufeinander eingependelt haben. Wir schauen gemeinsam nach individuell passenden Arbeitsabläufen, Kommunikationshilfen oder auch speziellen Maschinen und Werkzeugen.“

Arbeitsprozesse optimieren

So hat Geschäftsführer Jan-Peter Ewe kurzerhand in zusätzliche Beleuchtung und einen ergonomisch passenden, höhenverstellbaren Tisch investiert: „Wir haben schnell gemerkt, dass dies notwendig ist, wenn der Arbeitsplatz dauerhaft genutzt wird.“ Zu Beginn der Corona-Krise hätten sie die beiden Neuen erstmal zuhause gelassen: „Aber dann sagten die Kollegen: Sie fehlen uns.“ Also kamen Stefano Notariale und Dennis Bonneik zurück ins Team und sind mittlerweile fest in die Produktion eingebunden.

Jan-Peter Ewe betont: „Natürlich sehen wir das auch mit einem unternehmerischen Blick: Wir überprüfen immer wieder, ob sich Arbeitsprozesse optimieren und persönliche Leistungen weiterentwickeln lassen.“  So habe man gemeinsam zusätzliche Qualitätskontrollen eingebaut, damit beide gute Arbeit auf gleichbleibendem Niveau abliefern könnten. „Ziel ist die Möglichkeit, bei Fehlern sich selbst zu korrigieren.“

 Im Team ankommen

Schließlich müsse das Ergebnis auch passen, um von den Kolleginnen und Kollegen akzeptiert zu werden, ergänzt Alexander Enns. Das scheint zu klappen: Stefano Notariale und Dennis Bonneik haben zwei feste Ansprechpartnerinnen in ihrer Gruppe, sitzen selbstverständlich im Kollegenkreis während der Mittagspause beieinander und nehmen auch an den Betriebsfeiern teil. Hilfreich war da auch eine von der Lebenshilfe Braunschweig angebotene lockere Indoor-Schulung: Was heißt eigentlich Beeinträchtigung? Welche Vokabeln sind angemessen? Darf ich einen Witz machen? Wo sind Grenzen und wie gehe ich mit Unsicherheiten um?  

„Ich bin stolz auf meinen Arbeitsvertrag und  im Team angekommen“, freut sich Dennis Bonneik. „Jetzt hoffe ich, dass ich einen echt guten Job mache!“

Text und Fotos: Elke Franzen