Am 21. März wird weltweit der Welt-Down-Syndrom-Tag begangen. Der Aktionstag rückt die Situation von Menschen in den Fokus, bei denen das 21. Chromosom dreifach statt doppelt vorhanden ist. In Deutschland leben schätzungsweise 50.000 Menschen mit dieser genetischen Besonderheit.
Forderung nach besseren Unterstützungssystemen
Das diesjährige Motto #ImproveOurSupportSystems unterstreicht die Notwendigkeit, bestehende Strukturen zu verbessern, um Menschen mit Down-Syndrom eine umfassendere gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Experten und Verbände fordern unter anderem eine inklusivere Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik, eine gleichberechtigte Gesundheitsversorgung sowie finanzielle Absicherung für notwendige Hilfsmittel und Therapien.
„Es geht nicht nur um medizinische Versorgung, sondern auch um soziale und berufliche Integration“, so Michael Schumann, Fachdienst Betriebliche Integration der Lebenshilfe Braunschweig. „Viele Menschen mit Down-Syndrom sind in der Lage, einer regulären Arbeit nachzugehen – wenn sie die nötige Unterstützung erhalten. Mit Unterstützung, Beratung der Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen, sowie den passgenauen Arbeitsplatz kann berufliche Integration funktionieren.“
Best Practice: Gelebte Inklusion in Braunschweiger Kitas
Seit vielen Jahren kooperieren Braunschweiger Kitas eng mit der Lebenshilfe Braunschweig, um inklusive Arbeitsstrukturen und einen Mehrwert für alle zu schaffen. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Kita-Helfer*innen: Sie unterstützen das pädagogische Team, spielen und malen mit den Kindern, lesen Geschichten vor und bringen ihre individuellen Fähigkeiten in die offene Arbeit der Kitas ein.
Auch eine junge Frau mit Down-Syndrom aus der Beruflichen Bildung der Lebenshilfe ist mittlerweile Teil eines Kita-Teams. Nach der Schließung des Café Anton’s im vergangenen Jahr wurden für die Teilnehmenden der Beruflichen Bildung neue berufliche Perspektiven entwickelt. Gemeinsam wurden Stärken und Interessen erarbeitet – drei von ihnen nutzen nun die Chance, ihre Fähigkeiten in Braunschweiger Kindertagesstätten einzubringen. Dieses Modell zeigt, wie Inklusion im Arbeitsalltag gelingen kann: durch individuelle Förderung, gezielte Unterstützung und Offenheit für neue Wege.
Zeichen für gesellschaftlichen Wandel
Trotz politischer Bekenntnisse zur Inklusion sehen sich Betroffene und ihre Familien weiterhin mit zahlreichen Hürden konfrontiert. So sei der Zugang zu inklusiven Schulen und Arbeitsplätzen noch immer unzureichend, zudem fehle es an einer gesicherten Finanzierung für Hilfsmittel und therapeutische Angebote. Deshalb ist es umso wichtiger mit Aktionen wie dem Welt-Down-Syndrom-Tag Bewusstsein zu schaffen und sich immer weiter für eine inklusive Gesellschaft einzusetzen.
„Gleichberechtigung darf kein theoretisches Konzept bleiben, sondern muss sich in der Lebensrealität der Menschen widerspiegeln“, betont die Lebenshilfe Braunschweig. „Jeder Mensch ist wertvoll – unabhängig von der Anzahl seiner Chromosomen.“
Text: Mailin Rohland und Elin Lensky
Foto: David Maurer